DER FALL RAUTERMANN
Entführungsdrama von Jürgen Baumgarten - erschienen im Plausus Verlag

Interviews der Darsteller

Sandra Intemann (Sonja Linde)

Sandra Intemann (Sonja Linde)

Warum gerade diese Rolle - Die Rolle hat quasi mich gefunden und nicht umgekehrt. Das Theater ADU suchte genau dann, als ich eine Theatergruppe suchte, noch eine Rollenbesetzung für die Sonja. Die Beschreibung hat mich gleich umgehauen: eine so vielschichtige Person, eine Rolle, die so viele Emotionen beinhaltet, ist eine große Herausforderung, aber auch wahnsinnig spannend.

Parallelen zwischen dir und deiner Rolle - Mein Jahr in Hamburg steht tatsächlich ganz im Zeichen des Kindes: Ich betreue derzeit meinen kleinen Neffen, der zwei Jahre alt ist. Er ist mir wahnsinnig wichtig und diese Erfahrung hilft mir dabei, in die Rolle der Mutter Sonja zu schlüpfen. Auch mit ihrem Wesen kann ich mich gut identifizieren. Dennoch waren manche ihrer Reaktionen und Handlungen für mich anfangs schwer zu verstehen. Es gibt also Parallelen, dennoch bin ich außerhalb des Theaters nicht wie Sonja.

Größte Herausforderung für dich im Stück - Sonja ist meiner Meinung nach völlig verunsichert, was richtig ist. Keiner weiß, was mit Melissa passiert ist und ob diese Geisel im Keller überhaupt Informationen dazu liefern kann. Andererseits erwarten ihre Freunde, dass auch sie - nein, dass gerade sie hinter der Aktion steht. Für Sonja ist es schwierig, in ihrer Position überhaupt aktiv zu werden und sich aus der Schockstarre wieder zu lösen. Und wenn sie aktiv wird, nicht die Kontrolle zu verlieren ....

Wie ist es, eine solche Rolle zu spielen - Dass die Rolle schwer ist, macht für mich auch einen Reiz aus. Einfach, weil sie sehr viel Tiefgang hat und es Spaß macht, sie mit Leben zu füllen. Diese Gestaltung ist aber ja nicht allein meine Aufgabe. Die wichtigste Voraussetzung dafür, dass ich diese Rolle spielen kann, ist eine gute Zusammenarbeit mit der Regie. Und die klappt einfach wunderbar. Außerdem habe ich großes Vertrauen in das Regieteam, dass sie beurteilen können, ob man als Schauspieler zur Rolle passt. So kann ich mit dem nötigen Selbstvertrauen und viel Motivation an dem Stück mitwirken.

René Nitschke (Gerd Rautermann)

René Nitschke (Gerd Rautermann)

Parallelen zwischen dir und deiner Rolle - Grundsätzlich hoffe ich das natürlich nicht. Aber wenn ich mir eine Eigenschaft heraussuchen würde, die Parallelen hat, dann wäre es die, sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Größte Herausforderung für dich im Stück - Den natürlichen Abscheu, den ich vor so einer Person hätte, nicht überhand nehmen zu lassen, sondern einzutauchen und Rautermann dennoch als einen Menschen zu begreifen. Hinzu kommt die starke emotionale und körperliche Belastung, da ich hier nicht nur eine Rolle spiele, sondern diese Rolle auch fühlen muss – ich bin sicher, wir werden alle nach den Vorstellungen einfach kaputt sein.

Größte Herausforderung deiner Rolle - Mein Spiel so zu gestalten, dass beim Zuschauer bis zur Abstimmung immer noch Zweifel vorhanden sind, ob Rautermann wirklich schuldig ist. Beide Optionen sollen für den Zuschauer möglich und nachvollziehbar sei

Wie ist es, eine solche Rolle zu spielen - Es ist eine Herausforderung, da diese Rolle das Potenzial hat, dass Rautermann das Zielobjekt des Hasses des Publikums wird. Es kann auch einiges passieren, Buh-Rufe o.ä. Für mich ist es daher wichtig, diese Feedbacks nicht als René persönlich zu nehmen, sondern stets im Kopf zu haben, dass es sich hier um Reaktionen auf meine Rolle als Rautermann handelt.

Was möchtest Du noch mitteilen - Dieses Stück ist eine gute Möglichkeit, seine eigene Art des Denkens zu reflektieren. Es zeigt in beeindruckender Weise die Macht des Internets. Und was ich persönlich toll finde – wir unterstützen mit einem Teil der Einnahmen die wichtige Arbeit von Dunkelziffer e.V. und der hem-Stiftung in Hamburg. Zudem zeigen wir damit, was Amateurtheater alles kann. Vielen Dank an das Regieteam, die das mit uns umgesetzt haben.

Michaela Cibula-Wagner (Tanja Fischer)

Michaela Cibula-Wagner (Tanja Fischer)

Was hat dich motiviert mitzuspielen - Die Thematik von Selbstjustiz, Kindesentführung und Interaktion mit dem Publikum in einem Stück auf die Bühne zu bringen, hat mich gereizt.

Größte Herausforderung für dich im Stück - Für mich als sechsfache Mutter ist es immer wieder schwer auszuhalten, was auch an Details in dem Stück verhandelt wird im Bezug auf Kindesmissbrauch.

Größte Herausforderung für deine Rolle - Meine Rolle muss trotz aller Umstände an ihrer Sicht der Dinge festhalten, wenn sie nicht kaputt gehen will an dem Ganzen. Sie muss Intellekt und Gefühl in Einklang bringen, was nahezu unmöglich scheint.

Was möchtest du noch mitteilen - Die Leistung des Ensembles muss gewaltig sein, um diesen Stoff glaubhaft und sensibel auf die Bühne zu bringen. Ich wünsche mir, dass die Zuschauer mit ebenso viel Respekt und Ernsthaftigkeit in dieses Stück gehen, wie wir ihm begegnen.

Sabine Hundt (Tina Sante)

Sabine Hundt (Tina Sante)

Warum gerade diese Rolle - Tina nimmt eine Entwicklung, die ich besonders spannend finde: von der Kämpferin für Gerechtigkeit hin zum Zweifel, ob sie überhaupt ein guter Mensch ist. Sie steht dabei auch immer ein wenig für sich, da die anderen aus der Gruppe zum Teil emotional stärker voneinander abhängig sind.

Größte Herausforderung für deine Rolle - Größte Herausforderung für Tina ist: Die Kontrolle über ihr eigenes Handeln und über das Handeln der anderen Gruppen- mitglieder zu behalten und sich selbst und ihren Werten treu zu bleiben.

Was ist das Komitee der gerechten Bürger - Das Komitee der gerechten Bürger ist eine Gruppe von Menschen, die auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden sind (Freundschaft, Liebe, Ehe). Durch das Aufeinandertreffen von verschiedenen Ereignissen entwickelt sich der Plan, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen- plötzlich haben sie die Möglichkeit dazu…und die Macht?!

Was möchtest Du noch mitteilen - Die zentrale Frage des Stückes für mich ist: was muss passieren, damit jeder von uns zu einem Täter werden kann? Dabei sind wir doch mit den besten Absichten gestartet! Am spannendsten wird sein, wie Sie- unser Publikum- die Lage am Ende beurteilen. DAS können wir nämlich nicht proben- und deshalb freuen wir uns auf Ihren Besuch!

Nicole Spengler (Silvia Unger)

Nicole Spengler (Silvia Unger)

Größte Herausforderung für dich im Stück - Das ist meine erste Rolle, das ist schon mal eine große Herausforderung. Dann eröffnet meine Rolle auch gleich noch mehrere Szenen und hat auch hier und da Momente, in denen die Figur stark im Fokus steht. Das ist schon heftig fürs erste Mal. Die größte Herausforderung ist für mich aber vor Allem die Figur dem Publikum glaubwürdig und echt rüber zu bringen.

Größte Herausforderung für deine Rolle - Silvia steht nicht 100% hinter der ganzen Aktion, das ist ihr alles zu viel. Wie soll sie mit dieser Ausnahme Situation umgehen? Gerechtigkeit ja, Gewalt nein. Die Veränderung, die jeder ihrer Freunde im Laufe des Stücks mitmacht, hin zu mehr Brutalität, das macht ihr zu schaffen. Wie kommt sie da nur wieder mit gutem Gewissen raus?

Was ist das Komitee der gerechten Bürger - Das Komitee der gerechten Bürger ist ein Zusammenschluss von Freunden, deren Leben durch eine das Verschwinden der Tochter von Frau Linde nun direkt von einer dieser unfassbar schlimmen Straftaten betroffen sind, von denen man sonst nur in den Nachrichten hört. Dieser Auslöser und „glückliche“ Umstände haben dieses Komitee in die Lage gebracht zu handeln. Fakten schaffen und Forderungen stellen. Die Gesellschaft etwas besser für alle machen. Das Komitee fordert: Straftäter schneller finden (Gendatenbank) und härter bestrafen. Mörder und Vergewaltiger lebenslänglich bestrafen. Opferschutz statt Täterverhätschelung.

Was motiviert deine Rolle, dabei zu sein - Melissa, die Tochter der Freundin ist verschwunden, wahrscheinlich missbraucht und grausam getötet worden. Da wird das normale Stammtisch-Geblubber mit dem Wunsch nach mehr Gerechtigkeit und härteren Strafen für solche Täter plötzlich auf ein ganz anderes, ein persönliches Level gestellt. Große Überredungskunst für wie auch immer geartete Aktionen braucht es dann nicht mehr. Da kann es schnell passieren, dass man über Ziel hinausschießt und sich zu Taten hinreißen lässt, die so eigentlich nicht geplant waren.

Holger Mutter (Jens Unger)

Holger Mutter (Jens Unger)

Wie viel Schauspielerfahrung hast du - Mit 14 Jahren bin ich in die Theater AG meiner Schule eingetreten und im gleichen Jahr kam ich dadurch zur Laienschauspielgruppe der Volkshochschule in Eschwege. Dort habe ich Theater gespielt, bis ich bei der Bundeswehr gelandet bin und durch Auslandseinsätze diesem schönen Hobby nicht mehr folgen konnte. Im November 2016 habe ich angefangen an einem Theaterworkshop teilzunehmen.

Größte Herausforderung für dich im Stück - Die Wandlung von Jens Unger, die Aggressionen die sich aufbauen und Gerd Rautermann gegenüber entladen. Ich selbst bin Vater eines 3 ½ jährigen Sohnes, da fließen einige eigene Gefühle mit ein, die ich im Zaum halten muß.

Größte Herausforderung für deine Rolle - Für Jens ist es ein innerer Kampf gegen das vermeintlich Böse gegenüber Rautermann und das Liebevolle gegenüber seiner Frau Silvia.

Carolin Roebken (Das Mädchen/Souffleuse)

Carolin Roebken (Das Mädchen/Souffleuse)

Was hat dich motiviert mitzuspielen - Das Thema und die Truppe von Theater ADU .

Wie viel Schauspielerfahrung hast du - Viel, als Kind und Jungendliche habe ich in diversen Weihnachts-/Kinderstücken mitgespielt.

Warum gerade diese Rolle - Mir wurde die Rolle angeboten, weil Theater ADU eine Souffleuse, speziell für den Rautermann suchte.

Größte Herausforderung für dich im Stück - Meine volle Aufmerksamkeit gilt nur Rautermann

Fällt dir noch was ein - Ich freue mich hier mitmachen zu dürfen, obwohl die Rolle klein ist und trotzdem wird viel aus mir heraus geholt.